Einen Versicherungsvertrag nachgerechnet!

Wenn man sich mit dem Widerspruch von Lebensversicherungen ernsthaft befasst, ist es unumgänglich aktuarielle Gutachten erstellen zu lassen und diese auch zu lesen. Dies bietet für den Interessierten enorme Vorteile, denn in diesen Gutachten sind sehr viele wichtige Informationen verborgen. Leider sind diese Informationen weder den Kunden, noch den Steuer- und anderen Beratern und schon gar nicht den Vermittlern zugänglich.

Wir rechnen nach
Wir haben für Sie nachgerechnet. Quelle: pixabay.com

Deshalb wollen wir einmal etwas Licht ins Dunkle bringen und zeigen hier an einem aktuellen Fall, den wir für unseren Kunden verfolgen, wie haarsträubend sich die Verhältnisse darstellen, wenn man einmal nachrechnet.

Der Fall:

VN männlich, Geb. 1968

Versicherungsbeginn: 01.08.1999

Ende Beitragszahlung: 01.08.2033

Versicherungssumme garantiert für Tod und Erleben: 138.000 €1

BUZ Beitragsbefreiung

Beitragssumme vertraglich geschuldet: 170.000 €1

Beiträge bisher eingezahlt: 78.371 €1

Nun stellt sich die Frage, wie die Beiträge verwendet wurden, also was der Versicherer mit dem Geld des Kunden macht. Die aktuarielle Berechnung ergibt folgendes Bild: Von den bisher eingezahlten 78.371 € hat der Versicherer für:

Risikokosten: 10.944 €

Abschlusskosten: 9.767 €

Verwaltungskosten: 12.831 €

Sparbeiträge: 38.107 €

verbucht. Das ist dann doch sehr erstaunlich. Man benötigt wenig Fantasie um zu erkennen, dass ein Kunde, der vor Vertragsabschluss über diese Verhältnisse aufgeklärt wird, vor einem Abschluss wohl eher zurückschrecken wird, wenn nicht einmal die Hälfte der Beiträge in den Spartopf wandern.

Als völlig maßlos ist sicher die Tatsache zu beschreiben, dass von den Beiträgen 28,83 % für Abschluss- und Verwaltungskosten abgezweigt wurden. Hier zeigt sich auch, warum die Versicherungswirtschaft den ständigen Diskussionen um die Abschlusskosten nicht entschiedener entgegentritt. Denn dann könnte vielleicht der Blick auf die Verwaltungskosten fallen. Da ist es schon besser, wenn auf den Vermittlern herumgeprügelt wird, die i. d. R. nur einen Teil der Abschlusskosten erhalten.

Besonders interessant ist auch die Tatsache, dass von den Risikokosten versicherungsmathematisch nur 38,59 % wirklich zur Risikodeckung benötigt wurden. Der Rest von 6.720 € stellt vereinnahmte Sicherheitszuschläge dar! Das bedeutet, der Kunde zahlt weit mehr als doppelt soviel für das versicherte Risiko als nötig. Das ist so üblich unter Lebensversicherern. Nun ist auch klar, warum viele Versicherer Sofortrabatte von 50 % gewähren können. Und trotz dieser Sofortrabatte stellen die Risikogewinne seit vielen Jahren die größte Einnahmequelle der Versicherer dar. Noch vor den Kapitalanlagegewinnen!

Auch die Verwaltungskosten sind natürlich stark überhöht. Wie will man einem Kunden erklären, dass für die Verwaltung eines Vertrages in 20 Jahren 12.831 € anfallen? Der Vertrag schlummert in einer EDV, monatlich werden Beiträge abgebucht, das kostet ein paar Cent, sonst passiert nichts! Wenn der Versicherer für jede Mandantenakte 50 € pro Monat erhält, ohne dass wirklich etwas zu tun ist, dann ist das ein durchaus rentables Geschäftsmodell.

Somit wird auch klar, warum VU aus den Risiko-, Verwaltungs- und Kapitalanlagekosten, die sie den Kunden berechnen, enorme Nutzungen ziehen können. Denn die überschüssigen Gelder werden börsentäglich angelegt. Das betroffene VU jedenfalls muss p. a. 2,1 Mrd. € anlegen. Bei 220 Börsentagen sind das 9,54 Mio. € pro Tag. Niemand glaubt daran, dass dieses Potenzial nicht genutzt wird. Deshalb sind Vorträge der Versicherer bei Gericht wie z. B. „…wir konnten keine Nutzungen aus Verwaltungskosten ziehen, weil diese verbraucht sind…“ doch sehr gewagt. Wenn da mal jemand nachschaut, könnte das auch strafrechtlich relevant werden.

Was die Berechnung auch zutage bringt ist, dass der Versicherer mit einem Garantiezins von 3,75 % kalkuliert hat. Im Abschlussjahr 1999 galt ein gesetzlicher Höchstzins von 4,0 %. Die meisten Marktteilnehmer sind damals davon ausgegangen – und so wurde das i. d. R. auch den Kunden verkauft – dass der Garantiezins der Versicherer immer dem Höchstzins entspricht. Das ist aber nicht so.

Sehr beeindruckend ist auch die Tatsache, dass das VU z. B. im Jahre 2014, bezogen auf die gebuchten Beiträge, eine Rohüberschussmarge i. H. v. 10,3 % erzielt hat, während man dann (nur auf den Kapitalanlageanteil) eine Nettoverzinsung von 4,4 % für den Kunden gutgeschrieben hat (nachzulesen in ZFV 19/2015 und 18/2016 unter dem Titel „Was machen die Lebensversicherer mit dem Geld Ihrer Kunden“ von Prof. Dr. Weinmann).

Und wer nun glaubt, dass es sich um eine Ausnahme handelt, der irrt gewaltig. Diese Verhältnismäßigkeiten sind nichts Ungewöhnliches im Markt. Nur weil niemand Versicherungsverträge nachrechnet, kommt dies alles nicht ans Tageslicht. Die Versicherungsnehmer brauchen Ihre Hilfe. Helfen Sie, indem Sie den Kontakt zu uns herstellen und wir helfen Ihnen.

factura – die machen das!


1 Beitragssummen zu Darstellungszwecken um die Nachkommastellen gekürzt und z. T. auf ganze 100 gerundet.

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