Beratungshonorare als Werbungskosten in der Praxis

Wann Honorare als Werbungskosten abgesetzt werden können?!

                                 

Um die Möglichkeiten Honorare als Werbungskosten absetzen zu können, zu beleuchten ist zunächst eine Unterscheidung nach Privatkunden einerseits und Firmenkunden andererseits notwendig.

Privatkunden – Produkte, die der Abgeltungssteuer unterliegen

Die 2009 eingeführte Abgeltungssteuer brachte umfangreiche Änderungen mit sich und regelt die Besteuerung von Kapitalerträgen grundlegend neu. Neben zahlreichen privaten Kapitalanlagen sind nun auch Leistungen aus Lebensversicherungen von der Abgeltungssteuer betroffen. Grundsätzlich muss zwischen Altverträgen und Neuverträgen unterschieden werden. Alle, mit derartigen der Abgeltungssteuer unterliegende Produkten zusammenhängenden Werbungskosten sind nicht mehr abzugsfähig.

Privatkunden – Produkte, die zu steuerpflichtigen Einkünften führen

Zu den steuerpflichtigen Einkünften jenseits der Abgeltungssteuer führen immer noch Rentenversicherungsprodukte oder auch die sog. Riester-Renten oder Rürup-Renten.

a) Rentenprodukte

Rentenversicherung oder –Optionen sind mit dem Ertragsanteil zu versteuern. Das BMF hat sich bereits mit Schreiben vom 20.11.1997 und in unveränderter Fassung im koordinierten Ländererlass vom 29.03.2007 zur einkommenssteuerlichen Behandlung von Beratungs-, Prozess- und ähnlichen Kosten im Zusammenhang mit Rentenansprüchen geäußert.

Demnach können bezahlte Honorare und ähnliche Aufwendungen in dem Zusammenhang mit Ansprüchen aus privater Rentenversicherung sowie aus der betrieblichen Altersversorgung bestehen, als Werbungskosten abzugsfähig sein.

Der Abzug solcher Aufwendung als Werbungskosten nach § 9 I EStG setzt jedoch voraus, dass die Aufwendungen wirtschaftlich mit der Erzielung von Einkünften im Zusammenhang stehen. Das BMF lässt explizit den Abzug von Beratungsleistung als Werbungskosten zu, unabhängig von Zeitpunkt der Aufwandentstehung (auch bereits vor Rentenbezug). Aufwendungen, welche die reine Vermögensbildung zum Ziel haben, sind hingegen nicht abzugsfähig.

Die Abzugsfähigkeit von Werbungskosten erfolgt grundsätzlich im Jahr der Zahlung.

Bei privater Rentenversicherung, die ausschließlich ein Risiko abdecken (auch Erwerbs- und Berufsunfähigkeitsversicherung), ist diese wirtschaftlich im Zusammenhang mit der Erzielung von Einkünften immer gegeben.

Eine Vermittlungsprovision, die vom Versicherungsnehmer aufgrund eines gesonderten Vertrages an den Versicherungsvermittler erbracht wird, ist jedoch erst bei der Berechnung des Unterschiedsbetrags gem. § 20 I Nr. 6 für Versicherungen im Privatvermögen steuerlich zu berücksichtigen. Eindeutig ist laut BMF jedoch – und das ist eine ausschließliche Besserstellung des Beraters auf Honorarbasis –, dass Abschlusskosten, die durch die Beitragsleistung bezahlt werden (insbesondere Vermittlungsprovision, die das Versicherungsunternehmen an den Vermittler erbringt) keine Werbungskosten sind (ausdrücklich auch für bAV).

Wichtig ist, dass die Vergütung für die Beratung und die Vermittlung sowohl im Rahmen einer bAV, als auch im Rahmen von steuerpflichtigen Rentenversicherungsverträgen nicht in einer „Vermittlungsgebühr“ zusammengefasst werden, sondern vielmehr sachgerecht und aufwandsgerecht zwischen dem Beratungs- und Vermittlungsaufwand unterschieden werden. Nur so können die Kosten für den Steuerpflichtigen entsprechend aufwandsbezogen zum Ansatz gebracht werden.

Insbesondere bei so komplexen Themen wie der bAV entsteht der Aufwand meist zu 90 % durch die Beratung. Jedoch lassen sich steuerlich hochinteressante Effekte erzielen, was zusätzlich als vertriebsförderndes Argument angebracht werden kann. Hierbei ist auch die Branche gefragt, um durch neue Honorar- und Provisionsmodelle den Abzug von Werbungskosten zu ermöglichen.

In jedem Einzelfall sollte jedoch der Steuerberater gefragt werden, mit ihm gemeinsam ein Modell ausgearbeitet werden bzw. im Zusammenhang mit spezialisierten Rechtsanwälten oder auf die Honorarberatung spezialisierten Verbänden Vertragswerke entworfen werden.

b) sonstige Versicherungen im Zusammenhang mit anderen Einkünften

Auch bei Privatpersonen sind Versicherungen denkbar die grundsätzlich zu Werbungskosten führen. Beispiele dafür können Wohngebäudeversicherungen, Feuerversicherungen, oder Haftpflichtversicherungen im Zusammenhang mit vermieteten Immobilien sein. Diese Versicherungen führen, wenn sie der Erzielung von Einkünften dienen, zu Werbungskosten, die in voller Höhe abzugsfähig sind. So sind z.B. auch Vermieter-Rechtsschutzversicherungen abzugsfähig oder Haftpflicht- oder Wohngebäudeversicherungen sind in voller Höhe als Werbungskosten ansetzbar.

In diesen Fällen würden auch auf Honorarberaterbasis erbrachte Vermittlungsleistungen, Betreuungsleistungen oder Beratungsleistungen steuerlich abzugsfähig sein. Bei der Annahme einer umsatzsteuerfreien Vermittlungsleistung oder einen Finanzdienstleister, der ohnehin der Kleinunternehmerregelung des § 19 UStG unterliegt, käme es darüber hinaus zu einer echten Ersparnis der Versicherungssteuer. 

PrivatkundenProdukte der privaten Lebensführung

Alle Beratungsleistungen im Zusammenhang mit Versicherungen die die private Lebensführung betreffen, wie Hausrat-, Rechtsschutz-, Feuer- und Wohngebäudeversicherung und die mit keinen Einkunftsarten in Verbindung stehen, gehören als Kosten der privaten Lebensführung zu den nichtabzugsfähigen Betriebsausgaben.

Hier ist im Ergebnis eine Gleichstellung gegeben, unabhängig ob das Vermittlungs- oder Beratungshonorar im Tarif einkalkuliert ist oder daneben gesondert verrechnet wird.

Auch hier würde sich bei der Privatperson bei umsatzsteuerfreier Leistung oder bei einem Kleinunternehmer als Finanzdienstleister eine echte Ersparnis der Versicherungssteuer ergeben.

Firmenkunden – Auswirkungen auf die Versicherungssteuer

Ein wichtiges Argument auch bei Firmenkunden ist das Thema Einsparungsmöglichkeiten von Versicherungssteuer. Insbesondere Großunternehmer werden häufig auf eine aufwandsgerechte Honorierung bestehen, denn Sie sind i.d.R. nicht bereit, über den tatsächlichen Aufwand liegende Vergütungen zu bezahlen. In der Vergangenheit versuchten Unternehmer Bürokostenzuschüsse o.ä. deklarierte Rückflüsse vom Makler zu verlangen. Diese unterliegen allerdings der Versicherungssteuer.

Die Vergütung des Maklers, die grundsätzlich nicht versicherungssteuerpflichtig ist, wird beim Einschluss in die Versicherungsprämie automatisch versicherungspflichtig! Die Schadensregulierung unterliegt dagegen nicht der Versicherungssteuer. 

Interessante Ersparnisse und Gestaltungsmöglichkeiten ergeben sich auch bezüglich der Versicherungssteuer bei sog. „Selbstbehaltsmodellen“. 

Firmenkunden – Auswirkungen auf die Umsatzsteuer

Die Umsatzsteuer führt beim Unternehmer zu keiner Belastung, wenn er wie üblich umsatzsteuerpflichtig und damit auch Vorsteuerabzugsberechtigt ist. Dennoch sollte auch in diesen Fällen geklärt werden, ob die angebotene Beratungsleistung tatsächlich umsatzsteuerpflichtig ist. Unberechtigt ausgewiesene Umsatzsteuer ist nämlich beim Unternehmer nicht abzugsfähig.

Fazit

Abschließend kann festgestellt werden, dass die Beratung auf Honorarbasis neben den Möglichkeiten, der Optimierungen und der Gestaltungsvarianten, auch aus steuerlicher Sicht sowohl der für den Unternehmer, als auch die Privatperson als Kunden einerseits und auch den Finanzdienstleister andererseits bei entsprechender Gestaltung Vorteile bringen. Die steuerlichen Effekte wiederum geben in einigen Fällen die Möglichkeit, die wie vorstehend erläutert, in manchen Bereichen notwendige leistungsgerechte Vergütung ohne Nachteil für den Kunden zu erreichen. 

Eine Ersparnis von Versicherungssteuer in Höhe von 19 % auf die Courtage oder Beratungsleistung des Finanzdienstleisters führt bei gleichem Kundenaufwand zu 19 % höheren Einnahmen für den Makler.

 


Zusammengefasste und gekürzte Fassung.

Vollständiger Text in Baier/Hillenbrand (Hrsg.): Honorarmodelle für Versicherungsvermittler – der Sprung in die Freiheit (2. Auflage), 2012, Kapitel 4. Steuerliche Aspekte.

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