Ausgewählte Steuerfragen

Im Zusammenhang mit Honorarmodellen ergeben sich eine Vielzahl steuerlicher Fragen. Im ersten Schritt betrachten wir zunächst das einkommensteuerliche Thema der Werbungskosten, weil es im „Jahresend­geschäft” der Versicherungsvermittler eine große Rolle spielt und einen erheblichen Wettbewerbsvorteil für diejenigen darstellt, die auf Honorarbasis tätig sind. Die nachfolgend verwendete Bezeichnung „Gebühren” steht selbstverständlich gleichermaßen auch für „Honorar”, ,,Vergütungen” usw., denn wichtig ist in jedem Fall die tatsächlich erbrachte Dienstleistung.

Produkte, die der Abgeltungssteuer unterliegen

Die Einführung der Abgeltungssteuer ab 01.01.2009 brachte um­fangreiche Änderungen mit sich und regelte die Besteuerung von Kapitalerträgen grundlegend neu. Neben zahlreichen privaten Kapitalanlagen sind auch Leistungen aus Lebensversicherungen von der Abgeltungssteuer betroffen. Grundsätzlich ist zwischen Altverträgen und Neuverträgen zu unterscheiden. Bei Produkten, die der Abgeltungssteuer unterliegen, sind damit in Verbindung stehende Werbungskosten nicht mehr abzugsfähig.

Vermittlungsgebühren

Vermittlungsgebühren sind nicht den Werbungskosten, son­dern den Anschaffungs-(neben)kosten zuzuordnen und des­halb nicht sofort abzugsfähig. Sie entfalten ihre steuerliche Wirkung erst, wenn der Versicherungsvertrag zur Auszahlung kommt (vgl. BFH VIII R 29/ro v. 30.10.2001 und BFH VIII B 44/10 v. 28.10.2oro). In seinem Urteil führt der BFH aus, dass Vermitt­lungsgebühren (Provisionen, Courtagen) auch dann keine Wer­bungskosten darstellen, wenn sie aufgrund einer gesonderten Vergütungsvereinbarung vom Versicherungsnehmer direkt an den Vermittler bezahlt werden.

Beratungsgebühren

Beratungsgebühren sind immer dann als Werbungskosten ein­zustufen, wenn der Beratungsgegenstand zu steuerpflichtigen Einkünften führen kann. Zu den steuerpflichtigen Einkünften jenseits der Abgeltungssteuer führen immer noch Rentenversicherungsprodukte, auch die so genannten Riester-Renten oder Rürup-Renten.

Handelt es sich also um eine Rentenversicherung oder wird die Rentenoption vereinbart, sind die Renten mit dem Ertragsanteil zu versteuern. Das BMF hat sich mit Schreiben vom 20.11.1997 und 29.3.2007 zur einkommenssteuerlichen Behandlung von Beratungs- und Prozesskosten, an Versicherungsberater gezahlte Honorare und ähnliche Aufwendungen im Zusammenhang mit Rentenansprüchen geäußert. Demnach können diese Gebühren bei privaten Rentenversicherungen sowie der betrieblichen Al­tersversorgung als Werbungskosten abzugsfähig sein.

Der Abzug solcher Aufwendungen als Werbungskosten nach§ 9 I EStG setzt voraus, dass die Aufwendungen wirtschaftlich mit der Erzielung von Einkünften im Zusammenhang stehen. Dann lässt das BMF den Abzug von Beratungsleistung als Werbungskosten explizit zu, unabhängig vom Zeitpunkt der Aufwandsentstehung (also auch bereits vor Rentenbezug).

Bei privaten Rentenversicherungen, die ausschließlich ein Risiko abdecken (auch Erwerbs- und Berufsunfähigkeitsversi­cherung), ist dies immer gegeben. Zu beachten ist jedoch, dass dies nicht für Aufwendungen, die eine reine Vermögensbildung zum Ziel haben (Verträge mit Kapitalwahlrecht), gilt. Diese sind vom Werbungskostenabzug ausgeschlossen. Die Abzugs­fähigkeit von Werbungskosten erfolgt grundsätzlich im Jahr der Zahlung.

Aufgrund dieses Sachverhalts ergeben sich völlig neue Chancen bei der Vermittlung selbständiger Berufsunfähigkeitsrenten. Mit einem Nettoprodukt stellt sich der Kunde über die Laufzeit wesentlich günstiger und kann zusätzlich das Beratungshono­rar sofort als Werbungskosten geltend machen. Anmerkung: Dass Makler in solchen Fällen ein Honorar nehmen dürfen, ist unumstritten und wurde durch das BAV (VerBAV 9/96) schon im Jahre 1996 klargestellt.

Besonders zu beachten ist, dass das BMF ausdrücklich auch bAV miteinschließt. Somit sind auch Beratungskosten, die von bAV-Beratern, Versicherungsmaklern usw. berechnet werden, Werbungskosten. Falls bis dato angenommen wurde, dass ein Beratungshonorar, das ein Arbeitnehmer für seine selbst finan­zierte bAV entrichtet, keinen steuerlichen Hebel hat, sind nun andere Gestaltungsmöglichkeiten gegeben. Wichtig ist, dass die Vergütung für die Beratung und die Vermittlung sowohl im Rahmen einer bAV als auch im Rahmen von steuerpflichtigen Rentenversicherungsverträgen nicht in einer „Vermittlungsge­bühr” zusammengefasst wird, sondern vielmehr sachgerecht und aufwandsgerecht zwischen dem Beratungs- und Vermitt­lungsaufwand unterschieden wird.

Insbesondere bei komplexen Themen wie der bAV entsteht der Aufwand meist zu 95 Prozent durch die Beratung. Die Vermitt­lungsleistung selbst beschränkt sich auf das Ausfüllen der For­mulare und Einholen der Unterschriften. Dies könnte zum Bei­spiel auch gegen eine Pauschale von 50,00 € erfolgen, während der Aufwand für eine professionelle Beratung durchaus fünf bis acht Stunden zu je 250,00 € betragen kann. Statt einer Stunden­vergütung sind auch fest definierte Pauschalvergütungen ein Lösungsansatz. Hierbei ist die Branche gefragt, um durch neue Honorarmodelle den Abzug von Werbungskosten ideal zu er­möglichen.

Vergebliche Werbungskosten

Im klassischen Courtagemodell führen vergebliche Beratungen weder zu Einnahmen beim Vermittler/Berater noch zu steuer­lichen Aufwendungen für den Kunden. Honorarmodelle bieten hier einen weiteren Vorteil. Beratungshonorare fallen auch dann an, wenn es letztlich nicht zum Abschluss eines Versicherungs­vertrages kommt, können aber im Gegenzug dann auch eine steu­erliche Wirkung entfalten!

Unter vergeblichen Werbungskosten sind solche Aufwendungen zu verstehen, die dadurch entstanden sind, dass die Erzielung von Einkünften geplant war, letztlich aber nicht verwirklicht wurde:

  • Weiterbildungsmaßnahmen für einen Lehrberuf, der später krankheitsbedingt nicht ausgeübt werden konnte (BFH XI R 61/04).
  • Aufwendungen für ein geplantes Mietobjekt (BFH: IX B 238/07); Gemäß o. g. BFI-1-Urteil aus 2007 kommt es hierbei auf die endgül­tige Entscheidung, Einkünfte erzielen zu wollen, an.

Im Zusammenhang mit der Abzugsfähigkeit von Werbungsko­sten lassen sich unendlich viele Fallkonstellationen darstellen, die allerdings den Rahmen hier sprengen würden. Hierfür bieten die Autoren spezielle Seminare. Interessierte wenden sich an die Deutsche Verrechnungsstelle. Exemplarische Beispiele sind:

(1) Ein Arbeitnehmer spricht seinen Versicherungsmakler an, weil er von einem Freund von einer angeblich interessanten Alters­versorgung erfahren hat. Der Makler berät ihn diesbezüglich und gemeinsam kommt man zu dem Ergebnis, dass ein Altersvorsorgeprodukt aus einer anderen Schicht zwar nicht zu steuerbaren Einkünften führt, aber insgesamt vorteilhafter wäre.

(2) Ein Kunde spricht seine Makler zwecks Abschluss einer Berufsunfähigkeitsrente an. Aufgrund seines Gesundheitszustandes leh­nen jedoch alle Versicherer die gestellten Anträge ab. In beiden Fällen stellen die Gebühren des Maklers vergebliche Werbungskosten dar.

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